Krawall und Remmi Demmi

G20 Gipfel in Hamburg

Während die Staats- und Regierungschefs über die Entwicklungen dieser Welt stritten und im Anschluss von Violinenklängen in einen Dämmerschlaf getragen wurden, ist genau das passiert, was viele befürchtet haben. Brennende Autos und Augen, zerpflückte Geschäfte, No-go-Zonen. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Köpfen hat die Woche Spuren hinterlassen. Und es scheint, als entdeckt auf einmal der kühle Norddeutsche angesichts der miterlebten Szenen sein südländisches Temperament. Wut und Fassungslosigkeit herrscht über die Gewaltbereitschaft von Demonstranten, Ratlosigkeit über den Nutzen solcher Treffen und Misstrauen über das Verhalten der Polizei. Gleichzeitig entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, dass das Schulterblatt zum Tanzen gebracht hat. Nachbarn halten eben zusammen.

 

So eine emotionale Stimmung ist sonst höchstens bei Fußballweltmeisterschaften zu spüren. Dann gibt es nur noch ein Thema mit Freunden und Fremden - beim Bäcker, in der Bahn, auf der Straße. Selten lassen sich ähnlich häufig politische Gespräche mithören wie in den letzten Tagen. Über die Frage, ob die Polizei zu früh oder spät eingeschritten ist. Über Radikale, die nicht nur enorme Sachschäden, sondern auch schwere Gewalttaten verübt haben. Ja, wie stehen wir denn eigentlich zum Kapitalismus? Jeder erzählt von anderen Eindrücken, Gesprächen, Menschen. Und so kommt es auch in eher unpolitischen Freundeskreisen zum Streit, wer nun Recht und wer Unrecht hat. Die Ergebnisse vom Gipfel rücken immer weiter in den Hintergrund.

 

Am Sonntagmittag - der Gipfel ist vorbei - stehen in der Schanze Plakatwände. Ob es auch etwas Gutes hatte, ist dort in Großbuchstaben zu lesen. Gute Frage. Vermutlich die erlebte Mitmenschlichkeit. Ein neu entdecktes politisches Verantwortungsgefühl. Oder zumindest die Hoffnung darauf.