Auf katalanische Töpfe

Das Schöne am Topfschlagen ist ja die Hoffnung auf Süßigkeiten. Aber in den katalanischen Töpfen steckt aktuell nur Unzufriedenheit. Die Stimmung ist aufgeheizt und seit Wochen dringt deshalb der Lärm topfschlagender Bewohner jeden Abend durch Barcelona. Unmöglich, ihn zu ignorieren oder zu überhören. Und ähnlich schnell wie ein Tweet verbreitet sich die Meldung, immer mehr Personen auf ihren Balkonen stimmen ein, Autofahrer nutzen ihre Hupe, Spaziergänger ihren Schlüsselbund.

 

Was passiert, scheint niemand richtig zu verstehen. Diffuser Kollektivismus greift um sich. Gerade das macht die Cacerolada - in Anlehnung an das spanische Wort für Topf - so gewaltig. Die spanische Regierung hat das Referendum über die Zukunft der Region Katalonien verboten, Wahlurnen beschlagnahmt, Wahllokale geräumt und katalanische Regierungsmitarbeiter festgenommen. Das hat die Stimmung unter den Separatisten und Gegnern vollständig hochkochen lassen.

 

Der Topf-Protest ist eine südamerikanische Erfindung. In Chile zum Beispiel demonstrierten die Bürger Anfang der 70er Jahre mit Töpfen gegen extreme Lebensmittelknappheit. 2001 forderten Demonstranten so in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires lautstark den Rücktritt ihres damaligen Staatspräsidenten de la Rúa. Die Polizisten schossen in die demonstrierende Menge, trotzdem schafften die Protestler den Sturz des Staatschefs. Mit viel Getöse.

 

Am Ende des heutigen Tages werden weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten in Katalonien an der Abstimmung teilgenommen haben. Die aber, die sich auf den Weg zu den Wahllokalen gemacht haben, sprechen sich fast ausschließlich für die Unabhängigkeit aus. Ob in den nächsten Wochen das Topfschlagen verklingt, wird sich zeigen.