Wolkenaufnahme

17 | JUNI 2017

 

Die Party ist auf einen kleinen Kern zusammengeschrumpft, langsam wird es hell und das Hausdach kitzelt eine verklärte Biersentimentalität heraus. Da stehen wir also. Über den Dächern von Hamburg. Mit Zigaretten, Bier und Wolken. Weit hinten die Elphi, etwas näher schon der Fernsehturm. Dann die Grindelhochhäuser. Und ganz nah der Blick in die Wohnung gegenüber. Über uns machen die Wolken Stück für Stück Platz für den Tag. Und wir sind einfach nur da. Was für eine schöne Momentaufnahme.

 

Als Kind fand ich es toll, die Wolken zu beobachten und zu überlegen, an welche Form sie mich erinnern. Enten, Nashörner, Autos, Dinosaurier zogen über den Himmel. Hinterhergeschwebt kam die Schnecke. Natürlich.

 

Wann genau hört man auf, nur im Moment zu sein? Ist das der Punkt, wenn wir erwachsen werden? Wenn auch Gedanken über den klaren Himmel ziehen können und ihn verdecken? Große, dicke Wolken hängen dann an manchen Tagen schwer am Himmel. Sie sehen aus wie Erwartungen anderer oder wie jemand, mit dem man nicht zusammen sein kann. Manche Gedanken werden langsam zu Schleierwolken und so ziehen auch diese Tage vorbei. Wenn man mal länger in den Himmel schaut, haben Wolken ohnehin ganz schön viel Speed drauf.

 

Genug der Metapher. Sonst wird dieser Text noch so kitschig wie eine rosa Wolke. An einem Sonnentag muss das ja wirklich nicht sein. Laue Sommermorgende nach einer Party sind toll. Genauso wie Hausdächer. Und Wolkenschnecken.

 

Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch, sagt übrigens Erich Kästner.

 

 

 

 

 

 

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