Spanisches Zukunftslabor

Poblenou und die Superilles als Zukunftslabor Barcelonas

 

Mitten in dem alten Industrieviertel von Barcelona gibt es einen Ort, der so gar nicht zur restlichen Stadt passen will. Denn was bitte machen Sitzbänke, Tischtennisplatten, Blumenkübel und der Spielplatz auf der Kreuzung? Und wo ist der Lärm dröhnender Autos oder losknatternder Motorräder? Das gehört doch wirklich zum guten Ton der Stadt. Was ist also los in Poblenou?

 

Die Superblocks sind los. Sie sind Teil des Mobilitätsplans 22@Barcelona und sollen den Einwohnern eine Ruhezone aber vor allem der Luft eine Verschnaufpause bieten. Ein Superblock - "Superilles" auf Katalan - ist ganz einfach die Bezeichnung für neun quadratische Häuserblöcke. Groß angekündigt wird der Beginn dieser Zone mit Buchstaben auf dem Asphalt, ab dann müssen motorisierte Fahrzeuge durch eine komplizierte Straßenführung den Umleitungen folgen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 10 Stundenkilometern. Erst außerhalb der Superblocks fährt wieder der normale Straßen- und öffentliche Nahverkehr.

 

Natürlich steckt nicht (nur) ein neu entdecktes Ruhebedürfnis der Einwohner hinter dem Konzept. Denn es stinkt in der Stadt. Und zwar nach Abgasen. Die Luft ist so schlecht, dass die Stickstoffdioxidwerte die vorgeschriebenen Grenzwerte der EU überschritten haben. Im Fünf-Jahres-Plan zur Stadtmobilität hat die Stadt deshalb Maßnahmen entwickelt, um verkehrsberuhigte Bereiche zu verzehnfachen. Von etwa 75 Hektar auf ganze 750 Hektar bis Ende 2018. Fußfänger und Radfahrer sollen das Bild der Stadt also langfristig dominieren und dazu gehören auch die Superblocks.

 

Dass solche Riesenwürfel überhaupt denkbar sind, liegt an der typischen Architektur in den erweiterten Stadtteilen von Barcelona. Lange, gerade Straßen in Raster-Optik werden hier von breiten Alleen und achteckigen Häuserblocks durchzogen. Der Architekt Ildefons Cerdà entwickelte das Konzept, als er Mitte des 19. Jahrhunderts die Stadterweiterung von "Eixample" plante – alles noch vor der Erfindung des Autos. Die achteckigen Kreuzungen, die durch die abgeschnittenen Häuserfronten entstehen, dienten als Treffpunkt für Anwohner. Später als Stellplatz für Motorräder und Autos. In Zukunft sollen sie wieder von Menschen - und Blumentöpfen - eingenommen werden.

 

Aber nicht nur die Superblocks machen Poblenou langsam futuristisch. Der Stadtteil zieht neben den vielen Künstler auch Entrepreneure und Visionäre an. Innovative Architekturprojekte inklusive. Popelig ist Poblenou schon jetzt nicht mehr.

 

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